Flash-over
Nur eine Illusion aus Filmen oder eine Gefahr für die
Feuerwehr ?
Der Flash-over ein Begriff, den man als Rauchdurchzündung
oder Rauchexplosion bezeichnen kann. Eine Illusion aus einem
überzogenen Kinofilm wie Backdraft ? Ein Phänomen,
welches eine Gefahr für Leib und Leben bedeutet. Zahlreiche
Unfälle, sogar Tödliche, kamen Weltweit vor. Darunter
auch in Deutschland.
Die Rauchdurchzündung entsteht bei ausreichender oder
nahezu ausreichender Luftzufuhr, die eine Verbrennung oder
Flammenerscheinung aufrecht erhalten kann. Und/oder unzureichende
Wärmeableitung . Durch Wärmeisolierung, z.B. Wärmeverglasung,
Vertäfelung usw. wird die Wärmeableitung erschwert
oder verhindert. Gase, die sich durch die Verbrennung bilden,
sammeln sich im Bereich der Decke. Nach und nach breitet
sich der Brand weiter aus, es entsteht heißer Brandrauch.
Sobald der Rauch oder die Wärme nicht nach außen
abgeführt werden kann, erhöht sich die Temperatur
im Bereich des Rauches. Dieses hat zur Folge, das sich der
Rauch, im oberen Bereich, weiter aufheizt. Es entsteht durch
den heißen Rauch und die Erwärmung im Raum eine
Wärmestrahlung. Diese Wärmestrahlung führt
dazu, das brennbare Stoffe, die vom Brandherd entfernt sind,
anfangen zu Gasen. Es bilden sich sogenannte Pyrolysegase,
die sich mit dem Rauch vermischen. Sobald genügend
Gase im Rauch sind, können sich Flammenzungen bilden.
Diese können innerhalb der Rauchschicht auftreten,
zwischen Luft- und Rauchgrenze oder bei Austritt aus dem
Raum. Bilden sich diese Flammenzungen, erhöht sich
die Wärmestrahlung. Dieses hat zur Folge, das sich
wiederum mehr Pyrolysegase bilden. Sobald das Mischungsverhältnis
stimmt, d.h. die untere Explosionsgrenze und ausreichend
Sauerstoff , die zur Verbrennung der Pyrolysegase notwendig
sind, vorhanden sind, zündet die Rauchschicht durch.
Liegt die Explosionsgrenze oberhalb der UEG bei vorher unzureichender,
dann plötzlicher Sauerstoffzufuhr, durch öffnen
von Fenstern oder Türen, kommt es zum Druckanstieg.
Eine Durchzündung findet statt. Der gesamte Raum steht
in Flammen. Eine Rauchdurchzündung hat statt gefunden.
Es kommt also von einem Entstehungsbrand (lokal begrenzt)
zu einem Vollbrand des Raumes.

Flash-over (Quelle: Brandschutz)
Bei einer Rauchexplosion bedarf es bestimmte Voraussetzungen
während des Brandverlaufes. Während des Brandes
im geschlossenen Raum kann es dazu kommen das die Sauerstoffzufuhr
für die Brandgröße nicht mehr ausreicht.
Diese kann in der Entwicklungsphase aber auch in der fortgeschrittenen
Phase auftreten. Die Sauerstoffkonzentration im Raum sinkt
und das Feuer würde langsam erlöschen. Dabei wird,
wie bei jeder unvollständigen Verbrennung, Kohlenmonoxid
gebildet. Die Raumtemperatur sinkt nur sehr langsam ab.
War die Temperatur so hoch das sich Pyrolysegase gebildet
haben, wird dieser Vorgang auch weiterhin bestehen bleiben.
Diese Pyrolysegase können aufgrund fehlender Flamme
nicht abbrennen. Es entstehen nun Gemische oberhalb der
oberen Explosionsgrenze. Da sich der Raum weiter abkühlt,
ziehen sich die Verbrennungsprodukte zusammen, so das im
Raum ein Unterdruck entsteht. Durch diesen Unterdruck kann
Luft durch Spalten von Fenster und Türen gesogen werden.
Es kommt dann zu einer Verpuffung. Dabei entsteht ein erneuter
Unterdruck und wieder eine Verpuffung.
Verschiedene Arten der Rauchexplosionen sind beobachtet
worden. Die normale Rauchexplosion entsteht, sobald die
Luft, die in den Raum gesogen wurde, sich mit den Gasen
verwirbelt. Es entsteht ein zündfähiges Gas-Luft-Gemisch.
Erreicht dieses Gemisch die Zündquelle kommt es zur
Explosion. Nach der Zündung folgt die Druckwelle und
die Flammenfront den Weg der Zuluft. Sie treten also aus
der Lüftungsöffnung, z.B. die Tür, die von
den Einsatzkräften geöffnet wurde. Die Zeit der
Durchzündung kann mehrere Sekunden bis mehrere Minuten
dauern. Eine andere Art der Rauchexplosion ist die umgekehrte
Rauchexplosion. Dabei kommt es bei Kontakt mit Sauerstoff
zur sofortigen Zündung. Hier befinden sich die Schwel-
und Pyrolysegase oberhalb der Zündtemperatur. Die Flammenfront
folgt hierbei dem Weg der Zuluft von der Öffnung in
den Raum, also umgekehrt als bei der normalen Rauchexplosion.
Als verzögerte Rauchexplosion zählt man die Situation,
bei der durch eindringen von Luft ein zündfähiges
Gemisch entsteht, aber durch fehlen der Zündquelle
dieses Gemisch nicht zündet. Erst bei Aktivitäten
der Feuerwehr, z.B. Freilegen von Glutnester, kommt es dann
zur Explosion. Zündfähige Gemische können
auch in andere Räume oder abgehängte Decken gelangen.
CO z.B. diffundiert durch Wände. Sobald sich eine Zündquelle
nähert kann es zu einer Explosion kommen. Diese wird
dann verlagerte Rauchexplosion genannt.
Versuche und Erfahrungsberichte haben ergeben, das ein Überleben
nicht mehr möglich ist. Schutzkleidung wie sie z.B.
in Niedersachsen getragen wird, bietet überhaupt keinen
Schutz. Selbst Schutzkleidung nach EN 469 bietet dem Träger
in diesem Fall Schutz für ca. 8 Sekunden. Schon bei
der Bildung von Pyrolysegasen herrschen in den Räumen
ca. 200°C in Bodennähe. Schutzkleidung nach EN
469 würde selbst da nur ca. 2-3 Minuten Schutz bieten.
Personen die dort ungeschützt sind, würden dort
Verbrennungen erleiden.
Kann man Anzeichen einer Rauchdurchzündung oder Explosion
erkennen ?
Rauchdurchzündungen treten meistens im normalen Brandverlauf
auf, also noch vor Eintreffen der Einsatzkräfte, oder
bei nicht wirksamen Löschversuchen (Brandherd wird
nicht schnell genug gefunden).
Anzeichen für diese Phänomene sind :
- der starke Temperaturanstieg ( durch die Schutzkleidung
fühlbar)
- der dynamisch, dunkel austretende Brandrauch (sehr heiß)
- die Flammenzungen die zwischen der Rauch- und Luftschicht
auftreten
Squash-Center Marburg (Quelle: Brandschutz)
Rauchexplosionen treten hauptsächlich beim Öffnen
eines Brandraumes auf, dabei muss der Brand schon eine fortgeschrittene
Phase erreicht haben.
Sichere Anzeichen gibt es nicht, aber :
- bei Verdacht, das der Brand spät entdeckt wurde
- der Brandrauch Fenster verrußt oder sogar stoßweise
aus Öffnungen austritt
- bei Öffnen einer Tür sichtbar Luft in den Raum
gesogen wird
- die Türklinken sehr heiß sind
dann sollte man damit rechnen, das die Gefahr einer Explosion
sehr hoch ist.
Die richtige Ausrüstung und das richtige Vorgehen eines
Atemschutzgeräteträgers
Die Ausrüstung sollte beinhalten:
1. Kopfhaube und Nackenschutz (in Kombination)
2. 2m Funkgerät
3. Holzkeil
4. Handscheinwerfer
5. Brechwerkzeug (Feuerwehraxt)
6. Totmannschalter
7. Personen-Ex-Warngerät
8. Rettungsmesser
9. Sicherungsleine
10. Löschgerät (mind. Kübelspritze, sonst
C-Leitung mit Hohlstrahlrohr)
11. Fluthaube (bei Menschenrettung)
Das Vorgehen des Atemschutztrupps:
- Atemschutzregistrierung
- Truppweise vorgehen
- Treppen rückwärts absteigen
- kriechend vorgehen (Seitenkriechgang)
- Türen aus der Deckung öffnen
- Türen langsam öffnen
- Nach öffnen der Tür Augenblick warten
- Rauch beobachten (Flammenzungen im Rauch)
- Bei hohen Temperaturen Rauch mit Sprühnebel abkühlen
- ev. Sicherungsleine anlegen (unübersichtliche Räume
o. keine Schlauchleitung)
- ständige Rückmeldungen an Gruppenführer
o. Einsatzleiter
- Atemluft ständig kontrollieren
Quelle: Flashover-
Firefighters.de