Es war nichts mehr zu retten
Herbede - Ein Raub der Flammen ist gestern Nachmittag das Wohnhaus an der Waldegge 32 geworden. Im Katastrophen-Szenario gelang es den Besitzern Inge und Bernd Mai, sich mit Schäferhund-Mischling Barry zu retten.
Tochter Bianca, die ihre Wohnung im Dachgeschoss des 1931 errichteten Gebäudes hat, war bei der Arbeit, als das Feuer gegen 16 Uhr ausbrach. Offenbar war den Rettungskräften nach ihrem Eintreffen recht schnell klar: Das Haus ist nicht zu retten.
Während ein Großaufgebot an Einsatzkräften noch versucht, die Flammen unter Kontrolle zu bekommen, sitzt Inge Mai gut 90 Minuten später scheinbar gefasst auf einer Bank seitlich des Nachbarhauses und versucht, sich von dem Schrecken zu erholen. Sie hat ihr Elternhaus verloren und alles, was drin war: "Der Schock kommt sicherlich erst richtig raus, wenn wir da mal wieder rein können", ahnt die Betroffene und ihre Stimme gerät nun doch ein wenig ins Wanken.
"Das ist hier keine einfache Angelegenheit", stellt Ulrich Gehrke, Presse-Sprecher der Berufsfeuerwehr, an der Einsatzstelle gleich klar. Bei ihrer Ankunft habe das nahe am Wald gelegene Haus schon in Flammen gestanden. Schnell sei bekannt geworden: Es ist niemand mehr drin. "Der Schutz des nur wenige Meter entfernten Nachbargebäudes war zu diesem Zeitpunkt das Wichtigste", betont Gehrke. Auch das ans Brandhaus grenzende Waldstück habe in Flammen gestanden und musste gelöscht werden.
Neben dem langen Anfahrtsweg habe die Wasserversorgung an dem abgelegenen Brandort sich als besonders problematisch erwiesen. Über mehrere Hydranten und weite Schlauchstrecken holte die Feuerwehr sich das rettende Nass. Mit einem Kranwagen stießen die Einsatzkräfte Löcher ins Dach des Brandhauses, "damit sich kein Wärmestau bilden kann, der wäre sehr gefährlich für die Kollegen." - Lin 2. Lokalseite -
Mittwoch, 10. Mai 2006 | Quelle: Ruhr Nachrichten (Witten)
Bernd Mai: "Ich kann mein Haus nicht wieder aufbauen"
Fortsetzung von S. 1. - An Löscharbeiten von innen ist beim Brand an der Waldegge zunächst gar nicht zu denken. Die Männer am Atemschutz-Container der Feuerwehr haben auch nach 18 Uhr noch alle Hände voll zu tun, um die Brandbekämpfer mit Masken und frischen Sauerstoffflaschen auszustatten. Schwitzende und erschöpfte Feuerwehrmänner sitzen überall am Straßenrand, während ihre erholten Kollegen die Flammen permanent mit Schläuchen angreifen. Beißender Qualm dringt aus dem Brandhaus und liegt überall in der Luft. Stellenweise schlägt sich das Löschwasser, vom Wind getragen, wie ein Nieselregen nieder.
Es ging sehr schnell
"Es ging alles so schnell", erinnert sich Inge Mai. Vom Küchenfenster aus habe sie gesehen, dass der Baum rechts neben dem Haus brannte. Da sei auch schon ihr Mann von unten aus dem Garten gelaufen gekommen und habe gerufen: "Es ist Feuer im Bad. Wir müssen weg." Inge Mai rief die Feuerwehr an. Beherzt fuhr ihr Mann noch das Auto aus der Garage und brachte es auf einer Wiese in Sicherheit.
"Ich habe noch alles im Haus dicht gemacht, bis mein Mann rief: ´Nimm den Hund an die Leine und kommt da jetzt raus`", erinnert sich Inge Mai. Eine Nachbarin habe sie kurz darauf noch davon abgehalten, noch einmal reinzugehen und die Papiere zu holen: "Ich bin wirklich froh, dass ich das gelassen habe", blickt sie mit Abstand auf die hektischen Momente zurück.
Bei der zweiten Tochter soll das Ehepaar vorübergehend unterkommen. Kritisch beurteilen Hausbewohner und auch Nachbarn das Vorgehen der Löschkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Durchholz, die nach ihren Angaben als erste am Brandort eintraf. "Die haben zehn Minuten nichts gemacht", sagt Inge Mai zwei Stunden später noch immer verwundert. Das bestätigt eine Nachbarin: Diese ersten Helfer hätten 150 Meter vorm Einsatzort länger Halt gemacht und das Brandhaus nicht gefunden. Dann hätten sie die aufgeregten Bewohner nach dem nächsten Hydranten gefragt: "Das kann doch wohl nicht wahr sein", zeigt sich Bernd Mai darüber verbittert. So sei wertvolle Zeit verloren gegangen.
Profi Ulrich Gehrke schüttelt auf Nachfragen den Kopf: "Ich kann zur Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr keine Angaben machen." Für Bernd Mai ist unmittelbar nach dem Brand jedenfalls klar: "Das Haus kann ich nicht mehr aufbauen, das schaffe ich in meinem Alter gar nicht mehr." Da müsse wohl bald der Abrissbagger anrücken.
Jürgen Schröter, Einsatzleiter der Polizei, mahnt gegen 19 Uhr zur Besonnenheit, weil derzeit alle Betroffenen unter Schock stehen. Er stellt fest: "In dieses Gebäude kommen wir heute jedenfalls nicht mehr rein. Sobald die Feuerwehr mit den Löscharbeiten ganz fertig ist, werden wir das Gelände absperren und beschlagnahmen, damit die Brandursache ermittelt werden kann." Auch wenn langsam an das Abrücken der ersten Einsatzkräfte zu denken ist, macht sich die Feuerwehr noch auf eine lange Nacht der Brandwache an der Waldegge gefasst. - Susanne Linka
Mittwoch, 10. Mai 2006 | Quelle: Ruhr Nachrichten (Witten)
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